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  Expeditionen

Vielleicht gibt es in allen Bereichen des menschlichen Daseins welche die schon in ihren frühen Jahren davon träumen, Flugzeugpilot, Erfinder, Kapitän eines Schiffes oder Millionär zu werden.
 
  Vermutlich träumen viele davon die Welt durch Reisen kennen zu lernen. Die meisten Reisen konnte ich bis ins reife Alter höchstens mit dem Finger auf der Landkarte und in meiner Fantasie unternehmen. Erst als die Grenzen geöffnet wurden und ich das Fahrrad mit seinen Vorteilen, finanziell unabhängig, aus seinem Sattel die Umgebung und ihre Menschen zu beobachten entdeckt hatte, konnte ich meine Träume verwirklichen: ich begab mich auf Reisen um die Welt zu entdecken.  
         
  1. Transkontinentale Expedition TransCanada 1992 (zu viert) – 6530 km
2. Transkontinentale Expedition TransEurope 1994 (zu zweit) – 5821 km
3. Transkontinentale Expedition TransAustralia 1996 (solo) – 5000 km
4. Expedition Patagonien 1997 (solo) – 3000 km
5. Rundreise Marokko; Eine kombinierte Reise des tschechischen (CK) Reiseunternehmens Naturtours; Das Fahrrad habe ich im Verlauf der Reise beim Aufstieg auf den 4175 hohen Djabel Toubkal bis 4000 m heraufgetragen
6. Mit CK Naturtours Kombireise Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien, Israel, Palästina, Zypern - 2000 km
7. Expedition China 1990 (solo) – 1700 km
8. Expedition Madagaskar 2001 (zu fünft, eine Frau) - 1303 km
9. Expedition Irland 2003 (solo) – 900 km
10. Expedition Island 2004 – (solo) – 1400 km
11. Expedition Korsika 2005 (zu zweit) – 900 km
12. Expedition England und Wales 2006 (zu zweit) – 980 km

Damit habe ich meine Vorstellung Fahrrad zu fahren in wenigstenns zwei Ländern eines kontinents (außer der Antarktis) verwirklicht.
In vielen Gegenden war ich der erste Slowake auf dem Fahrrad, in manchen einer der wenigen Menschen überhaupt.
Wahrscheinlich bin ich der Vorreiter für diese Art zu reisen auf große Entfernungen - Long Distance- in der Slowakei.


Außer Fahrradreisen, habe ich teilgenommen:

- an einer Bergsteiger Expedition nach Kanada (1988)
- am Trecking ins Base Camp unter dem Mount Everest – ab Namche Bazar solo
- Aufstieg auf den Mont Blanc (solo)
- am Trecking in den Pyrenäen



TransCanada’92 (Foto: Der Gebirgspass Kootenay im August)

„...Im Jahre 1988 hatte ich die Gelegenheit an einer kleinen slowakischen Exspedition in die Kanadischen Berge teilzunehmen. Der Kontakt mit der einzigartigen Kanadischen Wildnis Hat mich so überwältigt, dass ich mir vorgenommen hatte wiederzukommen und noch einmal vom Fahrradsattel aus zu genießen. Die Geschwindigkeiten die während einer Reise auf dem Fahrrad erreicht werden, erlauben es mit allen Sinnen die Geräusche und Gerüche der Natur in sich aufzusaugen, auch wenn es mühsam und zeitaufwendig ist. Ist der Preis zu hoch? Ich meine, angemessen. Und darum organisierte ich meine erste und unvergessliche Expedition TransCanada’92 mit allen Anstrengungen aber auch Freuden für einen unerfahrenen Abenteurer.... ...Die Fahrräder haben ihren Glanz und ihr ursprüngliches Aussehen längst nicht mehr. Rost verbreitet sich an allen Stellen die nicht durch Farbe oder Schmieröl geschützt sind. Der Zustand der Naben und Ketten ist besorgniserregend. Ich bedauere sie und bewundere sie gleichzeitig: sie hatten bei sparsamster Fürsorge enormes geleistet. Der Morgen hat die Gegend zum nicht Wiedererkennen verändert. Direkt über unseren Köpfen hängen dunkle Nebelschwaden und kurz darauf fängt es zu tröpfeln an. Die Außentemperatur schätzen wir auf 6 – 7 C°. Fahrzeuge die vorbeifahren ziehen lange Wasserfonteinen hinter sich her. Es scheint gefährlich, stehen bleiben ist aber auch nicht. Die kurvigen Straßen kopieren das Terrain und umrunden die höchsten Erhebungen die uns im Wege stehen. Tunnels sind in Kanada eine Seltenheit und wir finden auch keine Ausnahme. Wir fühlen uns wie ein Segelschiff dass zeitweise mit dem Wind und zeitweise gegen den Wind segelt: Zunächst fahren wir nach Norden um im Anschluss ganz in den Süden an die Grenze mit USA zu fahren, eine Weile nach Westen und wieder nach Norden bevor wir wieder nach Süden abbiegen. Steigungen und Abfahrten wechseln in kurzen Abständen. Und dann erreichen wir eine Besonderheit: im Gebirge Selkirk Mountains den gefürchteten Pass Kootenay...“


TransEurope‘94 (Foto: Hinter dem Polarkreis in Norwegen )

„...Wir schieben unsere Räder aus dem stählernen Schiffsbauch der Fähre und schwingen uns in die Sättel. Voller Elan nehmen wir Kontakt mit der europäischen Insel auf, die dem Nordpool am nächsten liegt. Die letzten Kilometer liegen vor uns. Die Erfahrung zeigte, dass es die bislang schwersten wurden, die ich bis dahin auf dem Fahrrad absolviert hatte. Und dies am Ende der Kontinent Durchfahrung. Wir fahren mit Zdenek ans Ende des Fjords und nach 8 km erschreckt uns die erste Hinweistafel mit Angaben der Länge der Strecke und ihrer Steigung in %. Die Straße führt uns aus dem Schatten der steinernen Riesen in eine ungeschützte offene Landschaft. Hier herrscht nur König Schnee, das ewige Eis und der unbarmherzige Nordwind. Und nichts steht ihm im Weg und trifft uns mit seiner ungebremsten Wucht. Ich werde in die Mitte der Straße geschleudert von der ich nur wenige 10 Meter sehen kann. Ich habe Angst dass ich unter die Räder der vorbeifahrenden Karawane gedrückt werde. Meine Wollhandschuhe sind schon mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Auf der Wollmütze, auf der die Ausdünstungen meines rauchenden Kopfes kondensieren, sieht es ähnlich aus. Wir bewegen uns im Blindflug vorwärts. Zdeno fährt irgendwo vor mir, die Steigungen liegen ihm. Es sieht so aus, als ob die Straße im Himmel endet, oder in der Hölle. Wir quälen uns nur sehr langsam vorwärts. Dann tauch ein Ortsschild auf: Nordkap. Es handelt sich um ein Aussichtsplateau mit einem Globus aus Metall. Einige wenige Gebäude scheinen an den Felsen über dem Meer angeklebt zu sein. Aus dem Sturm taucht auch Zdeno auf und brüllt mir ins Ohr, dass wir für den Eintritt zu dieser Sehenswürdigkeit 10 DM bezahlen müssen. Jeder. Ich hatte einen anderen Empfang der Sportbegeisterten Norweger erwartet. Enttäuscht schiebe ich mein Gerät auf dem steinigen Untergrund zu den wärmenden Gebäuden. Niemand nimmt es zu Kenntnis.... endlich stehen wir auf dem Zielpunkt :71 Grad, 10 Minuten und 21 Sekunden nördlicher Breite.“ .


TransAustralia’96 (foto: Vor mir liegen 145 km Straße geradeaus)

 „....Am Morgen und die Wolken hängen tief über der Straße und dem umliegenden Weideland. Ich bin auf dem Rückweg vom Süden auf den engen asphaltierten Straßen der ländlichen Gegend zur Hauptstraße. Es herrscht Windstille, bin warm angezogen und die Feuchtigkeit vertrage ich gut. Wenn später die Sonne aufgeht, trocknet sie mich. Statt zu philosophieren was einen in der Einsamkeit gerne überkommt, fange ich zu singen an. Weil ich dachte dass mich keiner hören kann, schmetterte ich lauthals die Melodie. Ich irrte mich jedoch. An der Biegung tauchen zwei Pferdegespanne auf. Die zwei Farmerrinnen unterhielten sich und beanspruchten die ganze Straßenbreite. Ihre Unbekümmertheit war blitzartig verflogen als sie mich ein paar Meter vor sich entdeckten. Die eine hat blitzschnell reagiert und ihr Pferd angetrieben um vor das andere zu traben. Das Pferd rutschte jedoch beim Versuch durchzustarten auf dem nassen Asphalt aus und schlitterte in Richtung Straßengraben. Das andere Gespann war jedoch im Weg. Die Gespanne verkeilten sich, die Pferde scheuten und plötzlich herrschte ein Tohuwabohu. Ich stand inzwischen längs neben der Straße damit ich die Pferde nicht noch mehr erschrecke und beobachtete das Chaos. Unter großem Gelächter der Farmerinnen hat es schließlich doch ein glückliches Ende genommen. Die Begegnung mit einem Radfahrer war für die Farmerinnen einfach nicht vorhersehbar. ...Heute morgen fängt der 21 Tag im Sattel an. Obwohl es noch dunkel ist, fahre ich los. Als Entschädigung erlebe ich ein wunderschönes Morgenrot, die Ankündigung eines neuen Tages. Auch der Wind weht in der richtigen Richtung in dieser unwirtlichen Wüstengegend. Ich spüre ein intensives Gefühl der Freiheit. Ich fühle mich wie ein Vogel mit weit ausgebreiteten Flügeln. Dieses Glücksgefühl läst mich die Müdigkeit vergessen. Ich treffe drei Radfahrer die in der Gegenrichtung fahren. Ihrer Körperhaltung lässt mich erkennen, wie mir der Wind behilflich ist. Wir verharren auf ein kurzes Gespräch. Sie erzählen, dass sie bereits seit 10 Tagen gegen den Sturm ankämpfen und dass sie langsam keine Kraft mehr haben. Ihr tägliches Pensum beträgt kaum 60 km. Ich fuhr 200 km täglich...“


Patagonia‘97 (Foto: Der Patagonien Cowboy ist ein Gaucho)

„...Plötzlich wurde mir eine besondere Ruhe bewusst. In der Pampa herrschte totenstille als ob es hier kein Leben mehr gebe. Hier und da grasen kleinere Gruppen geschorener Schafe. Größere Tiere finden hier nicht genug Nahrung. In der Nacht erfuhr ich was ein Pampero ist: ein berüchtigter Sturm der Pampas. Auch am Tag ist der Wind so stark, dass ich stehend am Fahrrad versuche ihm zu trotzen. Im Wind peitscht der Anorak gegen meinen Körper und übertönt alle anderen Geräusche. Zum ersten mal musste ich vom Rad absteigen. In diesem Moment, zur Bestätigung des Sieges über mich, schmetterte mich der Wind zusammen mit dem Fahrrad zu Boden. Schon davor jagte mich der wind von der Straße in die Steinwüste. Aber das hier? Wie lange werde ich unter diesen Umständen bis zum Feuerland brauchen? Lässt es diese Naturgewalt überhaupt zu, dass ich meinen Weg fortsetzen kann? Ein Fernfahrer hat Mitleid mit mir und bietet mir eine Mitnahme an. Mit einem Lächeln habe ich abgelehnt. Ich nähere mich dem Südpol und die Tage werden immer länger. Ich habe bereit 1 600 km hinter mir und zu meiner Überraschung keine Muskel-, oder Körperlichen Probleme. Der Wind ist auch bei klarem Himmel unerbittlich. Ich kämpfe mit ihm wie um mein Leben. Nach mehreren Stunden habe ich lediglich 50 km bewältigt. Es ist erschreckend wenig. Die Situation scheint ausweglos. Wenn ich stehen bleibe, werde ich frieren. Die durchgeschwitzten T-Shirts empfinde ich am Körper wie eine Eis-Packung. In dieser Gegend wüteten zwei berühmte Banditen: Butch Cassidy und Sundance Kid die auch bei aus dem gleichnamigen Film mit Robert Redford und Paul Newmann bekannt sind. In Comodoro Rivadavia und insbesondere in Santa Cruz gedenken sie ihrer bis heute. Ein paar Tage später führte mich mein Weg auch am Fluss Rio Pico an den Hängen der Anden vorbei wo sie angeblich ihre Beute versteckten...“


China’99 (Foto: Auf der Hauptstraße)

„...Von allen meinen bisherigen Reisen entpuppte sich diese Expedition als Abenteuer mit dem größten Risiko. Nicht nur deshalb weil ich weil ich bis dahin tabuisiertes des Reichs der Mitte betreten hatte. Insbesondere wegen der Schwierigkeiten die das untergehende kommunistische System den Ausländern aber auch den Einheimischen in den Lebensweg legt. Bei dieser Reise habe ich die bisherigen Gepflogenheiten geändert. Ich beschloss auf Mitreisende, ihre problematische Unterstützung und oft auch ihr Unverständnis zu verzichten. Ich wechselte zu den Einzelgängern mit dem Wissen, dass ich alles, von der Zolldeklaration vor dem Verlassen des Flugzeugs auf dem Flughafen in Peking, bis zur Suche des Fahrrads bei meiner Rückkehr nach Hause, alleine erledigen muss. ... Hast du keine Angst? War die häufigste Frage. Angst hatte ich keine obwohl mir die Unkenntnis des unbekannten Riesen einiges Unbehagen verfolgte Ich habe mich jedoch auf mein Glück verlassen dass mir auf meinen Reisen nur Begegnungen mit guten Menschen beschert hatte. Die schlechten sind mir irgendwie aus dem Weg gegangen. Bis dahin hat mich niemand bedroht oder ausgeraubt. Warum sollte es ausgerechnet hier anders sein? ...Für das alleine Reisen benötigte ich jedoch ein anderes Fahrrad, weil ich ab jetzt alles was ich auf der Reise benötige, mitführen muss. Und zuverlässig musste es sein. Ich entschied mich für ein Trecking Rad und taufte es Rexo. Meine Entscheidung habe ich nicht bereut. Seit dieser Zeit begleitet mich Rexo auf allen Reisen und erträgt stumm sein Schicksal. ...Zu meinen aufrichtigsten Bewunderern gehörten die, vor denen ich mich eigentlich in Acht nehmen sollte: die Polizisten. Gerade von denen bekam ich die entscheidenden Ratschläge, Getränke und Aufmunterung in den schwierigsten Situationen...“


Maroko2000 (Foto: Rexo wurde so hochgetragen)

„...Marokko stellte für mich das Tor zum geheimnisvollen Kontinent Afrika dar. Lange freute ich mich darauf es kennen zu lernen. Mit dem befahren eines Teils sollte sich der Traum erfüllen, alle fünf Kontinente außer der straßenlosen Antarktis, bereist zu haben und symbolisch meine mehrjährigen Anstrengungen zu beenden. Mit ihrem Namen verband ich alle Sehnsüchte nach Kennenlernen derer, die mit Wanderschuhen auf die Welt kamen. Afrika roch und lockte mit Exotik, mit Abenteuer aber auch mit unkalkulierbaren Risiko. Für die einen ist Afrika schwarz, für die anderen arabisch, für wieder andere einfach nur arm. Für alle jedoch ein Kontinent voller außergewöhnlicher Menschen, Tiere, Pflanzen und Lebensumstände. Die politische Situation verschlechterte sich in den verschiedenen Ländern zunehmend, Europäer fürchteten insbesondere um ihr Leben. Es verblieb das Marokkanische Königreich, eines der sicheren Länder im Nordosten des Kontinents. Nachdem mir die annehmbare Möglichkeit angeboten wurde das Land abwechselnd mit dem Fahrrad und mit dem Bus zu bereisen, zögerte ich nicht lange. Es erwartete mich zwar nicht das Schwarzeste Afrika, aber auch dieses arabische bzw. Berber Afrika empfing mich mit offenen Armen. Der Anblick von Ziegen auf Bäumen ist vielen nicht nur von Ansichtskarten und aus dem Reiseführer bekannt. Schwarze Ziegen mit Hufen und kleinem Spitzbärtchen, die an kleine vierbeinige Teufelchen erinnern, klettern hier tatsächlich in die Kronen kleinerer Bäume um dort ein Festmahl zu veranstalten. Plötzlich, wie durch Zauberhand tauchten Hirten auf. Sie verständigten sich mit einem ungewöhnlichen Pfiff. Ich wurde nicht angebettelt, einige verlanget jedoch eine Zigarette. Angst flößten sie einem keine ein, sogar glückliche Reise wünschten sie mir. Um die Fähigkeit der leichten, lautlosen Fortbewegung über die Steinbrocken, beneide ich sie...“


Expedition „Naher Osten“ 2000
Unterwegs Griechenland’2000
(Foto: Meteora vor dem Sonnenuntergang)

„...Ich fühle mich wie im Märchenland. Um mich herum eine Natur-Szenerie wie gemalt. Die Zeit vergeht wie im Traum. Als ob sich die Pedale des Fahrrades von selbst drehen würden und nicht von mir bewegt werden fahre ich über die Bühne dieses Naturtheaters. Zuerst bin ich überrascht, im nächsten Augenblick, überwältigt: ich wurde Mitwirkender dieses Naturschauspiels. Hier in den Bergen müssen die Götter wohnen. Es ist ein anderes Griechenland, eine neue Erkenntnis mit dieser Wiege der europäischen Zivilisation. Es ist ein anderer Blick in die Gesichter der Menschen, auf ihre Arbeit und deren Verhältnis zu den Reisenden als das, was die Touristen an den Stränden der Ägäis erleben. Die Unerbittlichkeit der Natur im Innland hat mich ergriffen... „...Die Straße ist leer und verlasen. Die Angaben über die geografische Höhe des Passes Katar, hoch über dem Städtchen Metsovon wird in manchen Karten mit 1690 m und in anderen mit 1705 m über dem Meeresspiegel angegeben. Den Aufstieg in einem Tag zu bewältigen, betrachte ich in jedem Fall als Leistung. Die Straße windet sich in die Höhe in endlosen Biegungen. Erst nach der letzten Kurve eröffnet sich dem Reisenden ein Ausblick auf ein Hochplateau. Der Weg quert es in einem großem Bogen. Der Aufstieg endet erst am nächsten Berg. Am Straßenrand steht eine Telefonzelle, ein Holzhäuschen, und darin ein Mensch. Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits durchnässt und durchgefroren. Zuvorkommend wird mir versichert, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Als er hörte, dass ich noch am gleichen Tag nach Kalambak, die Stadt in deren Nähe das Abtei-Ensemble Meteor liegt, glaubte ich in seinen Augen erkannt zu haben, dass er mich für nicht zurechnungsfähig hält. Kurze Abfahrten wechseln sich mit steilen Auffahrten auf den nächsten Berg.. Auf einer der Steigungen haben mich plötzlich drei Hunde angefallen. Der größte und wildeste Schäferhund war an einer Pfote verletzt. Ich hatte Glück, dass sie mich nicht aus verschiedenen Seiten angegriffen hatten. Schließlich halfen Steine – und meine Beine. Sonst wäre möglicherweise das beginnenden Abenteuer damit beendet gewesen...“


Expedition Naher Osten 2000 (Foto: Der Königsweg in Jordanien)

„...Orient... ein Wort, dass nach Gewürzen und Exotik riecht. Das Angebot des Reisebüros für eine ähnliche Reise wie nach Marokko, konnte ich nicht ablehnen. Nicht nur wegen der Anziehungskraft der Gegend die zu dieser Zeit einem Pulverfass glich, sonder insbesondere wegen der Aussicht auf einen weiteren Kontinent - Asien. Leider musste ich jedoch weite Wegstrecken die nach einer Fahrt auf zwei Rädern lechzten, nur durch den Sonnenschutz an den Fenstern eines Autobusses bewundern. Bereut habe ich es trotzdem nicht. Alleine wäre ich in diese herrliche biblische Gegend nie gekommen. ...Bereits die ersten Kilometer zeigten mir was es bedeutet, auf sich alleine gestellt zu sein. Die Straße windet sich entlang eines sanften Hügels, so gelb wie aus Sand.. Es ist eine Täuschung. Nach den Angaben in den Karten, ragt er 1304 m ü. d. M. in den Himmel. Ich schätze, das Hochplateau mit der Wüste muss mindestens 800 bis 1000 m ü. d. M. liegen. Die Sonne bescheint meinen Rücken. Zum Glück. Die empfindliche Gesichtshaut, durch die australische Sonne, den patago-nischen Wind und tausendeweitere Kilometer gezeichnet, schmerzt. Jede Berührung der unerbittlichen Sonne reizt, weil sich die Haut gegen den Angriff der Sonnenstrahlen nicht mehr wehren kann... ...Die Luft flimmert und erzeugt die Illusion von Wasser über der Steinwüste. Wie eine Statue, taucht aus dem Nichts eine einsame Frauengestalt auf. Sie trägt einen großen Krug auf dem Kopf. Wohin sie geht, ist nicht zu deuten. Nirgends sind Anzeichen eines Beduinen Zeltes oder einer anderen Behausung zu erkennen. Langsam, bedächtig und würdevoll bewegt sie sich wie ein Uhrwerk in der gleißenden Sonne vorwärts. Nach einer Weile verwandelt sie sich in einen Punkt. Wasser gibt es auch in der Wüste, man muss nur wissen, wo...“


Madagascar’01 (Foto: Eine Herde Zebus schreitet zur Hinrichtung)

„...Außergewöhnlich für diese Expedition ist, dass zum ersten mal auch eine Frau mitgefahren ist. Es war keine leichte Entscheidung, sie erwies sich jedoch als richtig. Evka hat sich als unermüdlicher Kämpfer mit großem Herzen entpupt. Sie brachte eine Prise Sanftheit und Liebreiz in den rauen Umgang der Männer untereinander. Dieses hat bei den vorhergehenden Expeditionen offensichtlich gefehlt. Madagaskar ist eine Insel, die ihr Rückrat bis zur Höhe von 2 800 m ü. d. M. aus den Fluten des Stillen Ozeans herausstreckt. Von Norden in den Süden beträgt die Spanne um die 3 000 km. Wir bekamen die Gelegenheit die Expedition in zwei Abschnitten zu absolvieren. Zuerst fuhren wir von der Hauptstadt Antanarivo südwestlich in die Hafenstadt Tulear, später nochmal von Antananarivo (Tana) nordöstlich nach Tomasino am Stillen Ozean. Auch diesmal, auf dem südlichen Abschnitt hatte ich das Glück einer Wüstenfahrt. Die rote Farbe der Steinwüste erstreckte sich über ein Hochplateau und war mit scharfen, staubigen Büscheln des Madagaskar Grases bedeckt. Nicht umsonst wird Madagaskar auch die rote Insel genannt. Auch wenn diese Insel bei Afrika liegt, haben sie nicht viele Gemein-samkeiten. Elefanten, Löwen oder Affen sucht man hier vergebens. Dafür leben hier kostbare Halbaffen, Lemure. Ihr Gekreische in den dichten Regenwäldern ist furchterregend. Diese Tiere mit großen neugierigen Augen, wie auch die Natur hier, sind vom Aussterben bedroht. Die Inselbevölkerung lebt ausschließlich in der Gegenwart, an Morgen denken die Wenigsten. Wegen einem Bisschen Brennholz werden ganze Wälder abgeholzt und die Natur ganzer Landstriche vernichtet...“


Ireland‘02 (Foto: Hier möchte ich auch ruhen)

„...Ab dem ersten Meter hat mich Irland begeistert. Es ist ein steiniges, raues aber auch wunderschönes Land, von allen Seiten von Wasserströmen des Ozeans zerklüftet. Alle Häuser, die Betonung liegt auf „alle“ sind mit bunten Farben, für uns in außergewöhnlichen Kombinationen, wie gerade gestern angestrichen. Alle Rasenflächen sind wie frisch gemäht. Bis auf ein paar Kleinigkeiten sind keine Abfälle sichtbar. Alle Höfe sind aufgeräumt, ohne Ansammlungen von Sachen und Gegenständen die man irgendwann noch brauchen könnte, wie bei uns üblich. Besucher werden vom ersten bis zum letzten Meter von einer angenehmen Einfachheit begleitet. Wahrscheinlich wurden die Menschen und ihre Beziehungen doch durch die Ehrfurcht vor den Naturgewalten geprägt. Während der ganzen Reise hatte ich weder ungeduldiges Autogehupe, noch lautes Schimpfen oder einen Streit wahrgenommen. Den Verkehr empfindet man insgesamt als angenehm, weil sich die Autofahrer rücksichtsvoll und tolerant verhalten. Auf den Linksverkehr gewöhnt man sich auch schnell. Den kleinen Ort Cobh mit seinem Hafen vor dem die Titanic vor ihrer ersten und zugleich letzten Reise über den Atlantik geankert hatte, musste ich mir ansehen. Mit kleinen Fischerbooten wurden die armen Iren, mit der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben in der Neuen Welt, zum Ozeanriesen gefahren. Das südliche und westliche Ufer erinnern an einen Handschuh. Entweder sieht man es als Finger die weit ins Meer herausragen oder, dass durch tiefe Buchten weit ins Landes Innere das Ufer zerklüften. Ich war verwundert, dass die Küste nicht steil ist. Nur in dem Bereich der berühmten Cliffs of Moher erhebt sich die Steilküste 10 m und mehr über dem Meer. Ein starker Wind auf den Klippen, drückte mich jedoch während dem Fotografieren zum Boden. Dass Irland voller Geschichte ist, ist bekannt. Den tiefsten Eindruck hinterlies bei mir der Friedhof mit typischen irischen Kreuzen. Die Grabsteine und die Körper der toten Seeleute sind so gebettet, dass sie auf das offene, azur blaue Meer blicken., damit sie mit dem Medium, mit dem sie in ihrem Leben verbunden waren, auch nach ihrem Tod für immer verbunden sind...“


Iceland‘04 (Foto: Die unberührte Natur Islands)

„...in ein paar Minuten dampft es aus dem Topf, ein Zeichen, dass die Suppe „essbar“ sein könnte. Die Vorfreude auf was warmes überwältigt mich, und achte nicht darauf, dass es sich um das heiße Aluminium des Behälters an meinen Lippen handelt. In diesem Moment ist nur die Wärme der Flüssigkeit wichtig die ich mir die Kehle herunterrinnen lasse. Einen Löffel nehme ich erst später zu Hilfe. Diese Art der Ernährung nach einem anstrengenden Tag auf dem Rad, hat sich als geeignet erwiesen. Die Suppe ist warm., sie enthält Wasser, Salz, Gewürze und Nudeln, die, die erforderlichen Kohlehydrate enthalten. Dazu kaue ich kleine Bissen dunklen Brotes, dass ich mir von Zuhause mitgebracht habe. Mein Lieblingsbrot aus dem Nachbarort Kuty. Die Liebkosung des Suppentopfes ist zu ende, er ist leer. Noch zwei kleine Riegel herbe Schokolade und ein Bonbon mit Mentholgeschmack, anschließend eine Mundspülung mit klarem Wasser. Heute zwingt mich niemand zum Zähneputzen. Jetzt sollte ich mich in den Schlafsack einlullen und auf die Schlafmatte fallen lassen. Es geht nicht. Der Sturm umzingelt den Felsen von allen Seiten und verbeißt sich in das Zelt. Es wird so gezerrt, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich befürchte, dass das Zelt diesen Angriffen nicht widerstehen kann und der Sturm es zerfetzt. Die Regentropfen bohren sich wütend in den Zeltstoff. Die Zeltwände werden durch den Wind nach innen, gegen das Gepäck gedrückt, die Nässe dringt durch. Als ich ein geeignetes Zelt suchte, hatte ich kein Glück. Schließlich verlies ich mich darauf, dass es nicht so schlimm kommen kann. Jetzt habe ich jedoch wirklich Angst.. Ich versuche trotzdem einzuschlafen. Zwei Tassen Kaffee und die Schläge der Naturgewalten auf dieser Insel hindern mich daran. Die Sonne geht erst gegen 01:00 Uhr unter und geht schon vor 03:00 Uhr wieder auf. Dazwischen leuchten zuerst das Abendrot und anschließend das Morgenrot. Man könnte 24 Stunden lang ohne Probleme lesen. Die überflüssigste Sache in meinem Gepäck ist die Taschenlampe. Schließlich schlief ich trotz der Sturmangriffe vor Müdigkeit doch ein. Das Geräusch eines reißenden Zeltstoffes war zum Glück nicht dabei. Ich wachte auf und stellte fest, dass nicht nur ich lebe, sondern auch das Zelt ganz ist und Rexo davor. Nur der Sturm wütete noch immer...“


Corsica’05 (Foto: Corsica’05 Der Ort Calvi am Westufer)

„...Es sollte ein leichter Ausflug werden. Ich habe eine Rundreise um eine Insel geplant, die Ihrem Namen tatsächlich gerecht wird, Kaliste = Wunderschön. So wurde dieses Fleckchen trockener Erde, Piratennest und Geburtsort von Napoleon Bonaparte unter den Seefahrern genannt. Für einen Radfahrer ist es auch eine schöne Aufgabe. Nach der Landung im Hafen der zweitgrößten Stadt Bastia gibt es grundsätzlich zwei Richtungen für die Umrundung: entweder im südlichsten Punkt der Insel an die Westküste rüberfahren und entlang der Westküste nach Süden fahren, oder in der anderen Richtung und an der Ostküste nach Süden fahren. Geplant habe ich die erste Möglichkeit und ich glaube, meine Entscheidung ist nicht falsch. Ungenaue Straßenausschilderung hat unsere Orientierung anfangs erschwert. Als wir den ersten Bergrücken erklommen hatten, waren wir doch begeistert. Korsika atmet auch im dritten Jahrtausend noch Geschichte aus. Die Einfachheit und Armut widerspiegeln sich in den Mauern aus Stein, der Häuser und der kleinen Felder. Bis auf die eine Hauptverkehrsstraße mitten durch die Insel, auf der die rasen, die immer in Eile sind, sind die Straßen sicher seit ihrer Herstellung noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Ich war überwältigt. Kein noch so kleiner Tunnel bohrte sich durch die Felsen der Ostküste. Die Wege von einem Ort zum nächsten winden sich entlang der Küste immer im günstigsten Verlauf. Für die Autofahrer Romantik pur, für die Radfahrer eine Plackerei. Auch die kann genossen werden wenn die Sonne scheint. Im Herbst kann sie noch sehr stark sein. Es ist jedoch angenehmer, als wenn sie von schweren Wolken verdeckt wird, kalter Regen auf die Straße prasselt und die Wassermassen drohen einen von der Straße zu spülen. Den Geburtsort Napoleons muss man auch besuchen wenn man schon hier ist. Ajjaccio, die Hauptstadt der Insel ist wahrscheinlich Schuld daran, dass Korsika zu Frankreich gehört und nicht wie die zwei Nachbarinseln Sardinien und Sizilien, zu Italien. Daraus ergaben sich Spannungen die bis in die Gegenwart andauern...“


Mont Blanc’89 (Foto: Der weise Riese über Chamonix)

„...Nicht immer war ich auf zwei Rädern unterwegs. Eine der ersten Unternehmungen war der Aufstieg auf den höchsten Berg Europas. Diese Reise hatte ich in einer Zeit unternommen, als ich mich noch mehr mit den Bergen als mit Straßen beschäftigt hatte. Sie war eine gute Vorbereitung und Sprungbrett für die späteren transkontinentalen Expeditionen auf dem Fahrrad. Bereits damals bewegte ich mich auf steilen Bergpfaden und Hängen, auf Berggipfeln und in Tälern unter sengender Sonne, über Schnee- und Eisfelder in eisiger Kälte. ...Vallotka, der letzte Punkt vor dem Gipfel, eine Hütte, mehr ein Verschlag, war menschenleer. Der einfache Grundriss, ein Rechteck ist nur mit vier Palander, einen Tisch und einigen Stühlen möbliert. In einer Ecke eine Toiletten-Einrichtung. Die Blech-Türe lässt sich nicht schließen. Es interessiert keinen. Die Hinterlassenschaften der Gipfelstürmer werden per Helikopter nur von Zeit zu Zeit ins Tal transportiert. Es muss schon länger nicht gewesen sein. Ohne, würde hier ein neuer Berg wachsen, kein weißer, aber ein brauner.. Zwei junge Männer aus wie aus einem Bergsteiger Katalog, betreten den Raum. Groß gewachsen, braungebrannt, strotzend vor Energie. Sie hatten im Zelt neben der Hütte geschlafen und jetzt wollen sie schnell rauf stürmen. Ich beneide sie um ihre Kondition und um ihre Ausrüstung. Der Himmel hat sich verdunkelt, es stieg Nebel auf. Der Wind hat zugenommen und hat auch Schneewolken herbeigeweht. Ich spüre die Folgen des zu schnellen Aufstiegs. Ich bekomme Schüttelfrost. Zum zudecken nehme ich alle vorhandenen Fetzen ehemaliger Zudecken und vor Müdigkeit und Kälte bin ich eingeschlafen... ...Klopfgeräusche von Metall auf Metall, verstärken sich. Sie wurden durch die Spikes der Bergsteiger Schuhe beim auftreten auf den Metallenen Untergrund erzeugt. Eine Japanerin gleitet in den Raum. Entkräftet, das Sicherungsseil noch umschlungen schläft sie augenblicklich ein. Nach und nach treffen die ein, die am Morgen den Aufstieg angetreten haben. Draußen tobt ein Sturm, die Temperatur rutscht unter Null Grad. Die zwei Supermänner torkeln herein. Es sind junge Belgier die von ihrer ausreichenden Vorbereitung überzeugt waren. Es hat sich gezeigt, dass es für den Mont Blanc nicht genug war. Wenn sie nicht, wie kann ich es mir einbilden. Meine Entscheidung, nicht weiter zu gehen erwies sich als richtig. Die Nacht hat für die ausreichende Akklimatisierung gereicht....“


Treking pod Everest‘91 (Foto: Sitz der Götter über dem Nepal)

„...Die zweite Reise ohne Fahrrad war der Aufstieg zum höchsten Berg der Welt. Es war eine meiner schönsten Erlebnisse. Hier begegnete ich dem Orient in seiner ganzen Schönheit. Bereits auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum von Kathmandu dreht sich einem verwöhnten Mitteleuropäer beim Anblick der Hygienischen Verhältnisse der Magen um. Meiner kam in die ursprüngliche Lage erst wieder im Flugzeug auf dem Rückflug nach einem Monat. Nach Kathmandu kamen, kommen und werden auch weiterhin Menschen kommen um zu sterben. Nicht nur die, die die höchsten Berge bezwingen wollen, sondern insbesondere die, die harten Drogen verfallen sind. Wenn mitten auf der schmutzigen Straße, auf einem Berg von Abfällen ein verendeter Hund mehrere Tage liegt, im Fluss Menschen baden und ihre Wäsche waschen neben einem aufgedunsenen Schweinekadaver, vergeht einem der Appetit. Zum Mount Everest führt von der Hauptstadt die einzige asphaltierte Straße des Landes. Sie endet im Ort Jiri. Von dort aus ist es noch eine Woche strammen Marschierens nach Namche Bazar. Der Autobus, bis zum zerbersten vollgestopft, ist plötzlich stehen geblieben. Ein Stück Straße war nach den letztem Regen weggeschwemmt worden, ein weiterer Teil ist unterspült. Der Helfer des Fahrers springt herunter und prüft durch mehrmaliges aufstampfen des nackten Fußes, ob die Tragfähigkeit der Straße für eine Weiterfahrt noch ausreicht. Ein zustimmendes Nicken in Richtung Fahrer und der Autobus fährt weiter.. Diese Fahrt dauert zwei Tage und zwei Nächte und ist voller ähnlicher Erlebnisse. Sein Herr ist auch nicht irgendjemand. Mitten in der tiefsten Nacht wollte er nicht weiterfahren, nur wenn ihm jeder Reisende den Reisepreis erhöht. Nach ein paar Ohrfeigen fuhr doch weiter....“


Sponsoren

Für die freundliche Unterstützung, die man insbesondere während der Vorbereitungen und der Durchführung einer Expedition benötigt, danke ich aus ganzem Herzen allen Freunden, den Begeisterten, den Firmeninhabern und nicht zuletzt den Medien die meine Pläne in irgendeiner Weise unterstützt haben.

Das Verzeichnis ist lang.

Sie können es am Ende meines Buches „Der Weg ist das Ziel“ nachlesen.